Ein Kommentar zum Thema WhatsApp von BDKJ-Diözesanleiter Paul Rögler

Am Montag hat die Erzdiözese die Dienstliche Kommunikation via WhatsApp verboten. Einen Tag später hat die JIM-Studie nochmals deutlich gemacht, wie wichtig WhatsApp als Kommunikationsmittel und damit als Lebenswelt für junge Menschen ist. Was bedeutet also das WhatsApp-Verbot für die kirchliche Jugendarbeit und worum sollte es eigentlich gehen? Ein Kommentar von Paul Rögler, Diözesanleiter des BDKJ Freiburg.

„Das Erzbistum Freiburg verbietet per Mitteilung im Amtsblatt jegliche dienstliche Kommunikation über WhatsApp. Der JIM-Studie zufolge bezeichnen 9 von 10 Jugendlichen WhatsApp als die wichtigste App, die sie nutzen. Kanäle wie E-Mail sind für den Großteil der Kommunikation de facto tot. Wenn dieses Verbot konsequent umgesetzt wird, heißt das für Hauptberufliche in der Jugendarbeit, dass sie ihren Job eigentlich nicht mehr machen können. Das ist katastrophal, das ist ein Rückzug der Kirche aus den Lebenswelten junger Menschen. Allein aus professionellen und pastoralen Gründen müssen wir WhatsApp weiter nutzen.

Stopp. Seit wann verteidige ich eigentlich WhatsApp? WhatsApp gehört zum Facebook-Konzern: Dort werden unvorstellbare  Datenmengen gesammelt, wobei keinerlei Kontrolle besteht und niemand weiß, wofür sie genutzt werden. Der Konzern zahlt trotz unglaublicher Gewinne so gut wie keine Steuern. Das Gebaren des Konzerns und seiner Verantwortlichen sind mutmaßlich demokratieschädigend. Oder platt ausgedrückt: WhatsApp ist scheiße.

Im Titel dieses Beitrags bleibe ich aber bei „WhatsApp ist scheiße“ nicht stehen, was meine ich mit „aktuell unverzichtbar“?

98 % der jungen Menschen, die Messenger nutzen, nutzen WhatsApp. Der Dienst ist ein Standard. Wo vor einigen Jahren noch die Frage angebracht war, ob jemand überhaupt ein Smartphone hat, kann man heute davon ausgehen, dass nahezu jede Person ein Smartphone mit WhatsApp hat. Das bedeutet: Wenn junge Menschen eine Messenger-Gruppe erstellen ist das in aller Regel eine WhatsApp-Gruppe – Hauptberufliche müssen dann leider draußen bleiben. Wenn Hauptberufliche eine*n Ehrenamtliche*n spontan erreichen wollen – WhatsApp. Wenn Hauptberufliche zum Beispiel in einem Team eine Gruppe erstellen wollen: Bei WhatsApp wäre es eine Sache von Sekunden – bei jedem anderen Messenger setzt das Überzeugungsarbeit voraus, einen neuen Messenger zu installieren und je nach Messenger möglicherweise noch einen Bezahlvorgang und/oder längere Erläuterungen und technischer Support.

Copyright: BDKJ Freiburg

Ich sage nicht, dass das unmöglich wäre. Ich bin aber überzeugt davon, dass es in der Praxis unrealistisch ist. In der Praxis sind zwei Konsequenzen möglich:

  1. Hauptberufliche beschränken sich auf erlaubte Kommunikationsmittel und werden in vielen Fällen diese schnellen Kontaktmöglichkeiten zu Jugendlichen verlieren. Sie sind weniger gut als „Personales Angebot“ (vgl. Würzburger Synode) greifbar und bauen eine gewisse Distanz auf.
  2. Hauptberufliche suchen Workarounds. Entweder die verbotene Nutzung von WhatsApp auf einem dienstlichen Gerät und damit das Risiko entsprechender persönlicher (disziplinarischer oder materieller) Folgen; oder das dienstliche Gerät bleibt frei von WhatsApp und es wird vorgeblich „privat“ über ein privates Gerät kommuniziert (was bei genauerer rechtlicher Prüfung keinen Deut weniger problematisch ist – die Vermischung von privat und beruflich oder Abgrenzungsproblematiken noch gar nicht beachtet).

Was mich aktuell stört ist die Richtung, in die die Datenschützer*innen arbeiten. Es gibt eine Diskrepanz zwischen dem, wie WhatsApp funktioniert und dem, was erlaubt ist. Ich erlebe in der Folge viele Bemühungen, das Handeln der Praktiker*innen zu beeinflussen. Ich vermisse Bemühungen, das Handeln von WhatsApp zu beeinflussen. Ich möchte nicht gegen die Datenschützer*innen kämpfen, nur weil wir weiterhin gute pädagogische und pastorale Arbeit mit jungen Menschen machen wollen. Ich sehe Datenschützer*innen eigentlich als meine Verbündeten. Das Problem liegt woanders: Datenschutzkonformes Messaging ist möglich, WhatsApp will das nur nicht. Wahrscheinlich, weil der Druck noch nicht ausreicht. Liebe Datenschützer*innen: Lasst uns gemeinsam kämpfen. Lasst uns gemeinsam dafür einsetzen, dass WhatsApp die Bedingungen, die DSGVO und KDG stellen, erfüllt. Damit wir und alle mit denen wir arbeiten auch in Zukunft gut arbeiten können. Und damit wir das sicher tun.“

Quelle: www.bdkj-freiburg.de

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