Wir machen uns stark gegen rechte Parolen!

Ein Erlebnisbericht zum Workshop Rechtsextremismus der KLJB Freiburg
von Jenny Laufer

 

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Am Samstag, den 9. April machten sich einige KLJBlerInnen, drei Mitglieder des islamischen Jugendverbandes DITIB und andere Interessierte auf den Weg ins Gemeindehaus nach Kork bei Kehl. Um 10.30 Uhr konnte der Workshop zum Thema „Rechtsdrift in unserer Gesellschaft“ erfolgreich beginnen.

Nachdem wir herzlichst von unserem Diözesanreferenten Raphael Würth begrüßt worden waren, übergab er das Wort an Stefan Gebauer, der für das Demokratiezentrum Baden-Württemberg (www.demokratiezentrum-bw.de) im Einsatz ist. Mit Stefan Gebauer, der sich schon seit mehreren Jahren mit dem Thema Rechtsextremismus beschäftigt, startete der erste Teil des Workshops.

Wir konnten bei einem Einstiegsquiz unser Wissen testen und mussten immer wieder erstaunt feststellen, dass uns nicht bewusst war, welche unterschiedlichsten Zeichen sich auf den T-Shirts „der Nazis“ befinden oder warum diese auch das bekannte „Pali-Tuch“ tragen. Ja, sie tragen das Pali-Tuch tatsächlich – wir kennen dieses eher aus der linken Szene oder auch als Mode-Accessoire. Jedoch steht es spätestens seit den 1990er Jahren ebenfalls für völkisches Denken, Nationalsozialismus und Antisemitismus. Auch Islamisten schmücken sich gerne immer wieder mit dem Pali-Tuch. Es zeigt sich also, dass dieser Halsschmuck einige negative Konnotationen hat, was für mich nun klar bedeutet: Wir können unseren Hals eindeutig besser und schöner warmhalten! Nach dem Quiz widmeten wir uns den Fragen „Was ist Rechtsextremismus?“ oder „Wie und wo zeigt er sich?“. Wir durften die Fragen mit Hilfe der Methode Fokusfinder®, die wir ziemlich cool fanden, selbst beantworten. Unser gemeinschaftliches Ergebnis auf die Frage, was ist Rechtsextremismus: „Die Negierung der Aussage: ‚Alle Menschen sind gleich‘. Und wenn der rechte Gedanke zur Tat wird führt dies zur Diskriminierung anderer aufgrund ihres ‚Andersseins‘.“

16-04-09 WS REX_KLJB FR_Kork_14Zum Abschluss des ersten Teils wurden uns noch einige Beispiele vorgestellt, vor allem aus dem Raum Süddeutschland. Es gibt immer noch viele, auch kleine Städte, in denen regelmäßig Demonstrationen der rechten Szene stattfinden oder wo sogenannte „Fackelmärsche“ ausgetragen werden, die meist unangemeldet und illegal sind. All diese erschreckenden Beispiele zeigten, dass das typische „Springer-Stiefel-Klischee“ von den „braunen Anhängern“ nicht mehr allzu sehr bedient wird – sie sind jung und sehen aus wie „ganz normale“ junge Erwachsene, sie sehen aus wie wir! Feststellungen dieser Art und andere Beispiele sorgten für interessante Diskussionen und Gespräche – nicht zuletzt weil wir einen Experten vor Ort hatten, den wir hier löchern konnten. Mit der Frage „Was können wir tun?“ schlossen wir den ersten Teil des Workshops ab und konnten in der Mittagspause eine Tasse Kaffee und leckere belegte Laugenstangen genießen.

Als wir uns dann wieder gestärkt hatten, konnte es mit dem zweiten Teil des Tages losgehen, der das Argumentationstraining beinhaltete. Um uns später auf diesen Hauptteil einlassen zu können, beschäftigten wir uns zuerst mit dem Thema „Vorurteile und Schubladendenken – wie können wir damit umgehen?“. Wir wurden an diesem Mittag von zwei Referentinnen des „Team meX“ der Landeszentrale für politische Bildung begleitet. In einem ersten Rollenspiel mussten wir uns in andere Personen, denen wir oft typische Klischees zuordnen, hineinversetzen. So kamen wir z.B. zum Ergebnis, dass eine junge erfolgreiche Frau eine positive Kindheit hatte und viele Dinge erlebte, ein Obdachloser dagegen eher nicht. Diese Art des Rollenspiels ließ uns nachdenken und der ein oder andere war überrascht, wie viele Vorurteile und Stereotypen sich in unseren Köpfen befinden!

16-04-09 WS REX_KLJB FR_Kork_18Nun folgte das Argumentationstraining, bei dem wir lernen sollten, wie wir uns gegen negative Parolen jeglicher Art wehren können. Wir entschlossen uns dazu, mit den brandaktuellen Themen „asylsuchende Menschen“ und „Islamfeindlichkeit“ zu arbeiten. Den Anfang machte die erste Hälfte unserer Gruppe, die sich auf einem fiktiven Geburtstag befand und dort plötzlich das Thema Flüchtlinge aufkam. Es gab die Rolle der „Parolenschwinger“, des Widersachers und der Beobachter. Besonders die Rolle des Widersachers war ganz schön schwer auszuüben – er war meist auf sich alleine gestellt, musste gute Argumente vorbringen und sich den „Stärkeren“ widersetzen. Im Anschluss erarbeiteten wir gemeinsam, was denn überhaupt eine Parole ausmacht und welche Funktion sie hat. Meist sind sie einfach, leicht verständlich und sollen Menschen schnellstmöglich überzeugen. Ihr Inhalt ist aber oft nicht sehr gehaltvoll. Wir stellten des Weiteren fest, dass Gespräche oft nicht zufällig so verlaufen – es gibt viele Gesprächsstrategien, die Personen anwenden können. Hier blieb mir am allermeisten die Aussage der Referentinnen in Erinnerung, dass es meist nicht so wichtig sei, über Detail- und Fachwissen zu verfügen, sondern dass man einfach immer wieder gut nachfragen müsse! „Warum bist du davon überzeugt, dass Flüchtlinge uns etwas wegnehmen?“ Solche Fragen bringen die Parolenschwinger zum Nachdenken und sie müssen ihre Aussagen begründen – was ihnen oft nicht gelingt. An einem letzen Rollenspiel konnten wir die Vielzahl unterschiedlicher Strategien erproben und einsetzen, denn Übung macht ja bekanntlich den Meister!

Wir beendeten diesen spannenden Tag mit einer kleinen positiven Runde, die einen schönen Abschluss bildete.
Dieser Workshoptag war wirklich toll, machte viel Spaß und wir durften vieles selbst erarbeiten. Wir wurden zum Nachdenken gebracht, gut informiert und konnten angeregt diskutieren.

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